Vor den Wahlen zum Landtag in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026, den Kommunalwahlen in Niedersachsen am 13. September 2026 sowie zum Abgeordnetenhaus von Berlin und zum Landtag in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 rufen die Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD), ein bundesweites Netzwerk sozial-caritativ engagierter Ehrenamtlicher, dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und nicht wegzusehen.
Aus ihrer ehrenamtlichen Praxis erleben die CKD täglich, welche Folgen politische Entscheidungen für die Menschen vor Ort haben. Sie sehen, ob Menschen Unterstützung finden, sich beteiligen können und sich sicher fühlen. Sie sehen aber auch, wo Zugänge fehlen, Benachteiligungen wachsen und Vertrauen verloren geht. Die derzeitige Gefährdung der Menschenwürde, das sinkende politische Vertrauen und der Abbau sozialer und sozialstaatlicher Strukturen besorgen uns tagtäglich inunserem Engagement.Für die CKD sind daher in Hinblick auf die Wahlen drei Maßstäbe entscheidend:
Menschenwürde ist nicht verhandelbar.
Vertrauen entsteht durch verlässliches Handeln.
Solidarität braucht tragfähige soziale Strukturen.
Somit schaut die CKD nicht weg, wenn Vertrauen und Zusammenhalt unter Druck geraten, bezieht Haltung und handelt!
MENSCHENWÜRDE IST NICHT VERHANDELBAR
Bereits im letzten Jahr machten wir in unserer Stellungnahme "Solidarität statt Ausgrenzung" deutlich: Jeder Mensch besitzt die gleiche Würde und verdient Achtung und Respekt. Diese Überzeugung gilt unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter, Behinderung, Religion, Weltanschauung oder sexueller Orientierung. Sie gilt für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte ebenso wie für Menschen in Armut, für queere Menschen, für Menschen mit Behinderungen und für alle, die Ausgrenzung oder Benachteiligung erfahren. Die Lebenslagen von Menschen unterscheiden sich. Benachteiligungen können sich überschneiden und verstärken. Gerade deshalb dürfen soziale Probleme nicht gegeneinander ausgespielt werden. Menschenwürde ist nicht verhandelbar. Politik muss soziale Herausforderungen bearbeiten, ohne Menschen abzuwerten oder gegeneinander auszuspielen.Gerade die AfD macht aus solchen Unterschieden politische Gegensätze. Sie wertet Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte, queere Menschen, Menschen mit Behinderungen und Menschen in Armut ab und stellt ihre Zugehörigkeit infrage.
VETRAUEN BRAUCHT VERLÄSSLICHKEIT
Demokratie lebt von Kritik und Beteiligung. Kritik macht Probleme sichtbar, fordert Rechenschaft ein und trägt dazu bei, Entscheidungen zu verbessern.
Vertrauen schwindet jedoch dort, wo Menschen erleben, dass politische Versprechen nicht eingehalten werden, Behörden nicht erreichbar sind oder notwendige Unterstützung im Alltag ausbleibt. Besonders betroffen sind Menschen mit geringen finanziellen und sozialen Spielräumen. Sie sind auf erreichbare Beratungsangebote, funktionierende Pflege, eine verlässliche soziale Infrastruktur und barrierefreie Zugänge angewiesen.
Wo solche Strukturen fehlen, verschwindet der Bedarf nicht. Verantwortung verlagert sich in Familien, Nachbarschaften und das Ehrenamt. Die Belastungen tragen häufig diejenigen, die ohnehin besonderen Herausforderungen
ausgesetzt sind.
Vertrauen entsteht durch Verlässlichkeit. Es wächst dort, wo Verantwortung übernommen, Entscheidungen nachvollziehbar erklärt, Fehler korrigiert und Verbesserungen im Alltag spürbar werden. Das gilt für Politik und Institutionen ebenso wie für uns als CKD.
SOLIDARITÄT BRAUCHT TRAGFÄHIGE STRUKUREN
Soziale und physische Sicherheit, Teilhabe und Schutz vor Diskriminierung gehören zusammen. Sie schaffen die Grundlage dafür, dass alle Menschen ihr Leben selbstbestimmt gestalten und sich in die Gesellschaft einbringen können.
Freiwilliges Engagement leistet einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es kann fehlende professionelle Angebote und politische Verantwortung jedoch nicht dauerhaft ersetzen. Ehrenamt braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Das gilt ebenso für die Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.
Solidarität bedeutet deshalb mehr als persönliche Hilfsbereitschaft. Sie zeigt sich in den Strukturen einer Gesellschaft: in erreichbaren Beratungsstellen, in funktionierenden sozialen Diensten, in Pflegeangeboten, Bildung, Teilhabemöglichkeiten und wirksamem Schutz vor Ausgrenzung. Solidarität bedeutet auch, Perspektiven marginalisierter Gruppen
bei der eigenen Wahlentscheidung einzubeziehen.
Verantwortung endet NICHT mit dem Wahltag
Mit dem Wahltag ist die Verantwortung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht erledigt. Nach den Wahlen wird sich zeigen, ob Menschen, die Ausgrenzung erfahren, und diejenigen, die sie unterstützen, den notwendigen Rückhalt erhalten.
Politische Entscheidungen müssen sich daran messen lassen, ob sie Menschen schützen, Teilhabe ermöglichen und soziale Sicherheit stärken. Die Erfahrungen Betroffener und Engagierter müssen dabei gehört und berücksichtigt werden.
Gleichgültigkeit ist keine neutrale Haltung. Demokratie braucht Aufmerksamkeit, Beteiligung und Widerspruch. Verantwortung darf nicht weitergereicht werden.
Menschenwürde muss geschützt, Vertrauen durch verlässliches Handeln gestärkt und Solidarität durch tragfähige soziale Strukturen ermöglicht werden. Daran werden sich politische Entscheidungen nach den Wahlen messen lassen müssen.
Die CKD wollen dazu aus ihrer sozial-caritativen Praxis und ihrem christlichen Auftrag heraus beitragen: zuhören, wenn Vertrauen fehlt; widersprechen, wenn Menschenwürde verletzt wird; solidarische Strukturen stärken und handeln, wenn Unterstützung gebraucht wird.
Menschenwürde braucht Rückhalt. Vor und nach dem Wahltag.

Die Caritas-Konferenzen Deutschlands e.V. (CKD) sind ein bundesweites Netzwerk von rund 45.000 Ehrenamtlichen in der sozialen und karitativen Arbeit. Als Fachverband im Deutschen Caritasverband und Mitglied der Association Internationale des Charités (AIC) vertritt die CKD als ehrenamtliche Selbstvertretung eigenständig die Interessen engagierter Menschen auf Bundes- und internationaler Ebene.